Wie werde ich Segler?

 
Wer träumt nicht davon, sanft durch die Wellen zu gleiten und dabei auf Deck die Seele in der Sonne baumeln zu lassen ...
Sein eigener Kapitän sein und die Küste mal nicht vom Strand aus, sondern von See aus zu erkunden ...
Oder in den tosenden Fluten am Steuerrad stehen, die überschwappende Salzwasserdusche im Gesicht und die salzige Luft in der Nase ...
Dann jeden Abend in einem anderen Hafen anlegen und nach erfolgreichem Anlegemanöver das erste Anlegerbier trinken ...
Der Traum des Segelns ist nicht schwer zu erreichen. Im Gegenteil, dass Ziel liegt ganz nah!
Lediglich der passende Segelnachweis wird benötigt!
 
Der Segelsport hat unzählige Facetten, vom Optimistenseglen von kleinen Kindern über Urlaubstörns bis hin zur Regatta oder Atlantiküberquerung! Es gibt verschiedenste Anforderungen an Wissen und Erfahrung. Zum entsprechenden Nachweis gibt es eine vielzahl an aufeinander aufbauenden Segelscheinen bzw. Motorbootführerscheinen.
Beim Thema Segelscheine kann man leicht den Überblick verlieren. Früher gab es den A-, B- und den C-Schein, für Binnenseen, Meere und Ozeane. Diese Segelscheine waren Verbandsscheine des Deutschen Segler Verbands DSV und sie waren alle freiwillige, also nicht gesetzlich vorgeschriebene Scheine. Doch dann reagierte der Gesetzgeber und unterteilte in Pflichtscheine (Beispiel SBF See und SBF Binnen) und freiwillige Scheine (Beispiel SKS).
 
Deshalb hier eine einfache Übersicht, die Klarheit bringt:

Wer nur im privaten Bereich segeln möchte, also keine gewerbliche Schiffahrt betreiben will, für den gibt es 3 Grundlegende Segelscheine die man sich näher anschauen sollte:

Der Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen)

Der Sportbootführerschein See (SBF See)

Der Sportküstenschifferschein (SKS)

 

Darüberhinaus benötigt man teilweise noch den Pyrotechnischen Schein oder ein Funkzeugnis (SRC).

Wer auf dem Bodensee segeln möchte, benötigt noch ein Bodenseeschifferpatent

 

Wer in den gewerblichen Bereich der Schiffahrt einsteigen will, oder sich einfach nur maritim weiterbilden möchte hat darüberhinaus noch mehr Möglichkeiten:

Der Sportseeschifferschein (SSS)

Der Sporthochseeschifferschein (SHS)

 
 
Der Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen) ist die amtliche Fahrerlaubnis zum Führen von Sportbooten unter Motor, unter 15 Meter Länge und mit mehr als 15 PS Motorleistung auf den Binnenschifffahrtsstraßen. Der SBF-Binnen für Segelfahrzeuge ohne Motor (oder mit Motoren unter 16 PS) ist in der Regel nicht vorgeschrieben, mit Ausnahme von Teilen der Berliner Gewässer.
 
Zulassungsvoraussetzungen
Segelboot: Mindestalter 14 Jahre
Motorboot: Mindestalter 16 Jahre
Tauglichkeit: Vorlage „Ärztliches Zeugnis für Sportbootführerschein-Bewerber“
Zuverlässigkeit: Vorlage eines gültigen Kfz-Führerscheines
(oder Führungszeugnisses / Verzicht bei Minderjährigen)
Die theoretische Prüfung zum SBF Binnen besteht aus einem Fragebogen (ca 300 Fragen). Ausreichende Kenntnisse des Binnenschifffahrtsrechts, der Seemannschaft, der Fahrzeugführung (Segel- und/oder Motorboot) sind nachzuweisen.
In der praktischen Prüfung zum SBF Binnen müssen die theoretischen Kenntnisse auf einem Sportboot umgesetzt und angewendet werden. Es sind verschiedene Manöver (u. a. das Rettungsmanöver) und Knoten vorzuführen.

Warum sollte man den SBF Binnen machen?
Für Segelboote ohne Motor ist dieser SBF Binnen nicht vorgeschrieben, er wird jedoch häufig von Bootsverleihern als Fähigkeitsnachweis gefordert. Auch für die Teilnahme an Bootsregatten auf Binnengewässern ist dieser Sportbootführerschein häufig notwendig. Der SBF Binnen ist außerdem eine gute Vorbereitung für alle weiterführenden Führerscheine.

 
 
Der Sportbootführerschein See (SBF See) berechtigt zum Führen von Motorbooten und Segelyachten unter Motor von jeweils über 15 PS Leistung auf den deutschen Seeschifffahrtsstraßen im Geltungsbereich der Seeschifffahrtsstraßenordnung innerhalb der 3-sm-Zone und Fahrwasser innerhalb der 12-sm-Zone.
Dies sind stark vereinfacht ausgedrückt die Küstenmeere und angrenzende Gewässer. Der Sportbootführerschein See wird als internationales Zertifikat ausgestellt. Mit diesem Nachweis können Inhaber des SBF See ihre Qualifikation im Ausland beim Yachtcharter belegen.  Für weitere, höhere Küstensegelscheine ist der Sportbootführerschein See zudem als Prüfungsvoraussetzung zwingend vorgeschrieben.
 
Wer den Sportbootführerschein See erwerben möchte, sollte den Pyroschein nicht vergessen. Pyroschein nennt man den Fachkundenachweis nach Sprengstoffrecht. Er wird benötigt, wenn Fallschirmraketen an Bord sind. Fallschirmraketen steigen 300 m hoch, brennen mindestens 30 s und sind dann fast 40 km weit sichtbar. Falsch behandelt sind sie zudem ziemlich gefährlich. Je nach Land müssen Boote der Yachtcharteranbieter diese Fallschirmraketen an Bord haben.
Zulassungsvoraussetzungen:
Mindestalter 16 Jahre
Tauglichkeit: Vorlage „Ärztliches Zeugnis für Sportbootführerschein-Bewerber“
Zuverlässigkeit: Vorlage eines gültigen Kfz-Führerscheines
(oder Führungszeugnisses / Verzicht bei Minderjährigen)
 
Die theoretische Prüfung zum Sportbootführerschein See besteht aus einem Fragebogen (ca 300 Fragen).
Ausreichende Kenntnisse der Navigation, der Seemannschaft, des Seeschifffahrtsrechts, der Wetterkunde und der Fahrzeugführung sind nachzuweisen.

In der praktischen Prüfung zum Sportbootführerschein See müssen die theoretischen Kenntnisse auf einem Boot unter Antriebsmaschine umgesetzt und angewendet werden. Es sind verschiedene Manöver (u.a. das Rettungsmanöver) und Knoten vorzuführen.

 
 
Der Sportküstenschifferschein (SKS) ist ein freiwilliger Schein, aber gleichzeitig das häufig angestrebte Ziel von 99% der Freizeitsegler. Der richtige Segelschein für Hochseesegler im Küstenbereich.
Gut zu wissen: Die meisten Segler machen zuerst den Sportbootführerschein See. Damit dürfen sie zwar an der Küste segeln, aber sie können es nicht. Denn es gibt keine praktische Segelprüfung bei dem Schein. Segeln lernt man erst mit dem Sportküstenschifferschein (SKS). Der SKS-Schein ist der Führerschein für Segelyachten.
 
Zulassungsvoraussetzungen
Mindestalter 16 Jahre
Sportbootführerschein See
Nachweis über 300 ersegelte Seemeilen auf Yachten im Küstenbereich
Für den SKS ist eine theoretische und eine praktische Prüfung abzulegen. Die gesamte Prüfung muss innerhalb von 24 Monaten abgeschlossen sein.
Die theoretische Prüfung besteht aus einem Fragebogen, einer Kartenaufgabe und ggf. einer mündlichen Prüfung. Erweiterte Kenntnisse der Navigation, der Seemannschaft, des Schifffahrtsrechts und der Wetterkunde sind nachzuweisen.
In der praktischen Prüfung müssen die theoretischen Kenntnisse über das Führen einer Yacht in Küstengewässern angewendet werden. Neben der Pflichtaufgabe (Rettungsmanöver) sind ausgewählte Manöver und sonstige Fertigkeiten vorzuführen.
 
So ganz freiwillig macht man den SKS-Schein aber auch nicht. Vercharterer dürfen Segelboote nur an sachkundige Personen verleihen, Vercharterer (auch im Ausland) verlangen daher manchmal den SKS-Schein. Generell gilt auch, das man gegenüber Versicherungen immer besser dasteht, wenn man höherwertigere Segel-Pflichtnachweise vorlegen kann, als die Minimalanforderungen.
 
Der Trick mit dem SKS-Schein
Warum fangen die meisten Segler mit dem Sportbootführerschein See an – und nicht mit dem Sportbootführerschein Binnen? Inhabern des SKS-Scheins die einen Sportbootführerschein Binnen machen wollen, wird die praktische Segelprüfung erlassen.
Denn wer den SKS-Schein hat, muss nur noch einen Fragebogen ausfüllen, um auch den Sportbootführerschein Binnen zu bekommen. Und das ist schnell und kostet nur 45,- €.
 
Höherwertige Segelscheine, die aber nur bei gewerblicher Nutzung zwingend erforderlich sind:
 
 
 
Der Sportseeschifferschein ( SSS) ist der amtliche, empfohlene Befähigungsnachweis zum Führen von Yachten (unter Segel / Motor)  in küstennahen Seegewässern (alle Meere bis 30sm) Verbindlich vorgeschrieben ist der Sportseeschifferschein  zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten.
Zulassungsvoraussetzungen
Mindestalter 16 Jahren
Sportbootführerschein See (SBF See)
Nachweis über 1000 ersegelte Seemeilen auf Yachten in küstennahen Seegewässern (nach Erwerb SBF-See) als Wachführer oder dessen Vertreter
Die theoretische Prüfung erfolgt jeweils schriftlich und ggf. mündlich in den vier Prüfungsfächern Navigation, Seemannschaft, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde. Es sind umfangreiche Kenntnisse nachzuweisen.
In der praktischen Prüfung zum Sportseeschifferschein müssen die theoretischen Kenntnisse über das Führen einer Yacht in küstennahen Seegewässern angewendet werden. Neben den Pflichtaufgaben (Rettungsmanöver,  Radar, Seekarte, Segeln/Fahren) sind ausgewählte Manöver und sonstige Fertigkeiten vorzuführen.
 
Der Sporthochseeschifferschein (SHS) stellt den höchsten Abschluss im Sportbootführerscheinwesen dar. Er ist der amtliche, empfohlene Führerschein (Segelschein) zum Führen von Yachten mit Motor und unter Segel in der weltweiten Fahrt. Verbindlich vorgeschrieben ist der Sporthochseeschifferschein zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten
Zulassungsvoraussetzungen
Mindestalter18 Jahren
Sportseeschifferschein (SHS)
Nachweis über mind. 1000 ersegelte Seemeilen auf Yachten im Seebereich (nach Erwerb des Sportseeschifferscheins) als Wachführer
Die theoretische Prüfung zum Sporthochseeschifferschein erfolgt jeweils schriftlich und ggf. mündlich in den drei Prüfungsfächern Navigation, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde. Für den SHS sind umfangreiche und vertiefte Kenntnisse unter anderem der astronomischen Navigation, des internationalen Seerechts und tropischer Wirbelstürme nachzuweisen. Hinzu kommt die Handhabung eines Sextanten.
Eine praktische Prüfung wird bei diesem Führerschein / Segelschein nicht durchgeführt.
 
 
Da an den Bodensee 3 Länder (dazu noch ein Nicht-EU Land) angrenzen, wird dort ein Bodenseeschifferpatent benötigt wenn man ein Boote mit über 12 qm Segelfläche oder mit Motor führen will. Der SBF Binnen oder andere Scheine der Sportschiffahrt werden jedoch als Erfahrungsnachweis zur Erteilung eines kostenpflichtigen Gastpatents durch die örtlichen Landratsämter (in D beispielsweise Konstanz oder Friedrichshafen) für einen kurzen Zeitraum von 30 Tagen im Jahr ebenfalls anerkannt (sog. "Ferienpatent").
 
 
Der Pyrotechnische Schein ist der Fachkundenachweis für Seenotsignalmittel. Gemäß Sprengstoffrecht ist er hauptsächlich für Erwerb, Transport und häusliche Lagerung von Signalpistole und Signalmittel der Klasse T2 (Signalraketen) erforderlich. Für andere an Bord typischerweise verwendete, pyrotechnische Seenotsignalmittel wie Blitze, Rauchtöpfe oder Handfackeln ist er nicht erforderlich.
 
 
Segelschulen findest du auf der Seite des Deutschen Segler-Verbandes (unter Führerscheine).
 
Hier findest du eine Aufstellung, welche Führerscheine für welches Yachtcharter Revier benötigt werden.